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MÜNSTER


SCHATZKAMMER


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MÜNSTER ST. VITUS - SCHATZKAMMER


Ein Nachwort

Viele Menschen fragen zu Recht.- Warum hat die Kirche so viele Schätze? Warum wird das nicht alles verkauft und das Geld für die Armen ausgegeben? Das ist eine sehr berechtigte und wichtige Frage. Gott hat eine bevorzugte Liebe zu den Armen. "Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben, und die Reichen läßt er leer ausgehen" (Lk 1,52f.), so singt Maria in ihrem großen Lied, dem Magnificat Jesus sagt dem reichen Mann: "Verkaufe alles, was du hast, verteilt das Geld an die Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann kommt und folge mir nach" (Lk 18,22)! Wir müssen zugeben, daß unsere Schätze im Gladbacher Münster auch davon Zeugnis geben, daß Christen zu allen Zeiten die Kraft zu konsequenter Nachfolge nicht hatten - ganz so, wie diese Kraft uns heute fehlt. Aber trotzdem sind die Schätze in unserer irdischen Schatzkammer nicht einfach nur Ausdruck für Verrat an den Armen und für mangelndes Vertrauen in die himmlischen Schätze. Sie sind auch Zeugnisse der Umkehr Sie sind Zeugnisse dafür daß Menschen angefangen haben, ihr Gold und ihre Fähigkeiten nicht zur Verherrlichung ihrer selbst einzusetzen, sondern zur Verehrung des Gottes, der in Jesus Christus seine groáe Liebe und Barmherzigkeit zu allen Menschen gezeigt hat. Wenn die Schätze hinweisen auf Jesus Christus, der der beste aller Menschen war und noch mehr als ein Mensch, und auf heilige Menschen, die in seiner Nachfolge für die Armen, für Wahrhaftigkeit, für Gerechtigkeit und für Treue gelebt haben und oft genug dafür gestorben sind, dann wollen sie die Herzen der Betrachter hinwen den zu Jesus Christus, zu den "Heiligen" und zur Botschaft ihres Lebens. Wahre christliche Kunst ist Ausdruck des Betroffenseins von der Liebe Gottes. Sie ist der Versuch, mit allem Reichtum und aller Zärtlichkeit diese Betroffenheit auszudrücken. Sie ist eine Einladung an die Betrachter sich anrühren und verändern zu lassen. Diese Kunst weist deshalb über sich selbst hinaus. Fragen, die das Kunsthandwerk oder den Wert der Gegenstände betreffen, werden im Grunde unwichtig. Ein Besuch in der Schatzkammer erreicht dann sein Ziel, wenn die Gegenwart Gottes im Leben des Jesus aus Nazareth und im Leben der Menschen, von der die Gegenstände in so wunderbarer Vielfalt reden, auch unser Leben berührt. Und dann kann es gar nicht mehr anders sein, als daß sich unser Blick und unser Herz auch den Armen zuwenden, die Gott ganz besonders liebt.

Manfred Deselaers, Kaplan an der Hauptpfarre
Edmund Erlemann, Pfarrer an der Hauptpfarre und Propst der Münster-Basilika


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